Foto von Gabriel auf Unsplash

Energy Sharing für die Bürgerenergie

BBEn und DGRV legen neue Vorschläge für Umsetzung vor.

Berlin, 4.6.2024. Zahlreiche Bürgerenergiegemeinschaften erzeugen in Deutschland gemeinschaftlich Strom. Bürokratische Hindernisse erschweren ihnen jedoch massiv, diesen auch gemeinsam zu verbrauchen oder überschüssigen Strom von der eigenen Solar- oder Windanlage anderen Verbraucher*innen zu verkaufen. Die Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie (EMD), die im Mai 2024 vom Europäischen Rat beschlossen wurde, hat zentrale Aspekte des Energy Sharing genauer bestimmt und erkennt die Rolle von Bürgerenergiegesellschaften darin ausdrücklich an. In Deutschland ist jedoch hinsichtlich der Umsetzung des Energy Sharings noch nichts passiert, obwohl die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (RED II) dies bereits seit 2019 vorsieht. In ihrem gemeinsamen Positionspapier „Energy Sharing für die Bürgerenergie“ machen das Bündnis Bürgerenergie e.V. (BBEn) und die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim DGRV – Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband  e.V. deshalb an die neue Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie angepasste Vorschläge für die Umsetzung des Energy Sharings in Deutschland.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Teilversorgungsmodell, das eine wichtige Neuerung in der EMD darstellt. Teilversorgung bedeutet, dass Anlagenbetreiber*innen keine über die von ihnen erzeugten Strommengen hinausgehenden Lieferantenpflichten erfüllen müssen. Damit wird eine bislang entscheidende Hürde für Energy Sharing aus dem Weg geräumt. Doch weil Strommengen zwischen mehreren Akteur*innen abgerechnet werden müssen, entstehen dadurch neue Anforderungen.

Neben der Teilversorgung werden auch weitere Aspekte des Energy Sharings definiert. Das BBEn und der DGRV schlagen vor, die regionale Beschränkung für die Teilnahme am Energy Sharing auf einen Umkreis von 50 Kilometern festzulegen. Um die Wirtschaftlichkeit zu sichern, fordern BBEn und DGRV eine Prämie in Höhe von 2,0 ct/kWh. Zudem sollen für kleinere Anlagen die Lieferantenverpflichtungen entfallen: für Einzelhaushalte bis 30 kW und für Mehrparteiengebäude, also Mehrfamilienhäuser, Gewerbeblocks, öffentliche Gebäude, bis 100 kW.

„Energy Sharing wird die Bürgerenergie und die Energiewende insgesamt voranbringen: Es sorgt für Akzeptanz und beteiligt die Bürger*innen an der Energiewende. Außerdem bleiben mehr von den erwirtschaften Gewinnen in der Region und werden vor Ort gerechter verteilt. Dezentrale Stromproduktion und -verbrauch entlasten die Netze und fügen sich perfekt in ein dezentrales, erneuerbares Energiesystem ein. Energy Sharing muss endlich auch in Deutschland umgesetzt werden, die Möglichkeit hatte die Bundesregierung dazu schon lange. Sie muss nun endlich den gesetzlichen Rahmen schaffen, damit gemeinsam erzeugter Strom selbst genutzt oder überschüssiger Strom anderen Verbraucher*innen verkauft werden kann“, fordert Malte Zieher, Vorstand des Bündnisses Bürgerenergie e.V. (BBEn).

Weitere Informationen
Das erwähnte Positionspapier “Energy Sharing für die Bürgerenergie” steht hier zum Download.

Das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) e.V. setzt sich für die dezentrale Energiewende in Bürgerhand ein, die BERR ist selbstverständlich auch Mitglied. Mit über 250 Mitgliedern vereint es über 500.000 EnergiebürgerInnen aus ganz Deutschland, die sich einzeln als Privatpersonen oder gemeinschaftlich als Genossenschaftsmitglieder oder als Mitglieder in Organisationen für eine Stärkung der Energiewende in Bürgerhand engagieren. Diese Menschen eint die Überzeugung, dass die Energiewende nur mit breiter Verankerung der Bürgerenergie erfolgreich fortgeführt werden kann.

Generalversammlung 2024 – die Mitglieder haben beschlossen.

Die Generalversammlung der Mitglieder ist das höchste und entscheidende Gremium einer Genossenschaft, so auch bei der BERR eG. Knapp fünfzig von uns haben sich letzte Woche, am 27.06.2024 in Oberhinkofen im Gasthof Weizer zur jährlichen Generalversammlung getroffen.

Die Einladung dazu war fristgerecht verschickt worden, auch sonstige Formalien wurden natürlich eingehalten.

Jochen Scherrer, der Vorsitzende des Vorstands, berichtete im Hauptteil der Veranstaltung über die laufenden Entwicklungen und das Ergebnis des Geschäftsjahres 2023.

Standortfragen

Durch das Solarpaket 1 und auch durch den Wegfall der 10 H Regelung in Bayern ist ein regelrechter Wettlauf um Flächen zu beobachten, sowohl für PV-Anlagen als auch für Windkraftanlagen. Die Verteilnetze bilden allerdings derzeit den hauptsächlichen Engpass, sie sind den aktuellen Anforderungen in keinem Fall gewachsen. Das Ergebnis sind häufige Abschaltungen und Entschädigungen. Die BERR reagiert auf all diese laufenden Entwicklungen. Wir haben uns personell und organisatorisch verstärkt. In der neu gegründeten BERR Projekt GmbH ist Johannes Graf als fest angestellter Geschäftsführer dabei.

Sowohl die „öffentliche Hand“ als auch die Industrie setzen auf uns als Partner! Wir sind als Fachleute im Bereich Photovoltaik anerkannt und entwickeln die besten Lösungen! Im Bereich „Mieterstrom“ sind wir unangefochten die Nummer „1“ in der Region. Auch neue Möglichkeiten, z.B. Energiespeicher jeder Art, prüfen wir auf Umsetzung, soweit eine Wirtschaftlichkeit gegeben ist.

Wachstumskurs: es geht kräftig voran!

In 2023 wurden zwar keine neuen Anlagen fertig gebaut und in Betrieb genommen, wir haben jedoch viele mögliche Projekte untersucht und einige davon geplant und vorbereitet. Mehrere Anlagen gehen nun im laufenden Jahr 2024 in die Realisierung, weitere sind in der Überprüfung. Unter diesen „Chancen“ befinden sich auch deutlich größere Installationen, als wir sie bisher haben. Wir sprechen in Summe von bis zu 24 PV-Dachanlagen, 1 Tunnel-PV-Freifläche, 1 Solar-Carport, 3 Solarparks und 2 Windparks.

3% Rendite

Die Genossenschaft beschloss für das Jahr 2023 eine Ausschüttung von 3% Rendite auf das eingezahlte Kapital. Damit kann sich die „Finanzanlage BERR“ weiterhin sehen lassen, neben den eigentlich wichtigen Aspekten einer wirklich sinnvollen Geldanlage in die Energiewende vor Ort.

Vorstand und Aufsichtsrat wurden neu (wieder)gewählt, wobei es beim Aufsichtsrat zu kleineren Änderungen kam. Petra Filbeck ist jetzt neues AR-Mitglied und wird das Gremium aktiv und engagiert unterstützen.

Das Protokoll der Generalversammlung, die Bilanz und ggfs. weitere Dokumente werden für die Mitglieder zeitnah als Download in einem gesicherten Bereich der Webseite einzusehen sein, und können bei Bedarf auch gerne im Büro angefordert werden.

Nachhaltigkeitswoche – Nachhaltigkeitsmeile (Rückblick)

Wie angekündigt, fand in der Woche vom 10. bis zum 16. Juni 2024 die Regensburger Nachhaltigkeitswoche statt, von Freitag bis Sonntag waren noch besonders viele Highlights auf der Nachhaltigkeitsmeile am Donaumarkt zu sehen und zu hören.

Am Dienstag, den 11.06.2024 gab’s im Degginger eine Veranstaltung zur Energie- und Wärmewende in Regensburg , bei der die BERR auch vertreten war und sich vorstellen durfte.

„Klimaschutz und Energiewende umsetzen! Sind wir in Regensburg auf dem richtigen Weg?“

Den Aufschlag hatte Prof. Dr. Michael Sterner mit seiner Keynote. Wer Michael Sterner kennt, kann sich lebhaft vorstellen, dass bei diesem Intro nicht nur geballte Kompetenz, sondern auch eine beeindruckende Kunst der Kommunikation zu erleben war. Auch und besonders am Ende des Vortrags, als das Publikum noch eine kleine Phantasiereise in eine Zeit antreten durfte, in der wir einige der aktuellen Probleme dann doch schon „gelöst“ haben werden.

Globale Verantwortung beginnt bei uns

Eine der ersten Folien trug diese Überschrift, und Prof. Sterner wies das Publikum eindringlich darauf hin, dass sich niemand, wirklich niemand mehr aus der Verantwortung stehlen kann. Treibhausgase kennen keine Grenzen und Naturgesetze sind nicht verhandelbar. Und wir wissen seit spätestens 1896, dass und wie die Treibhausgase sich auf die globale Durchschnittstemperatur auswirken. 

Wie wir Paris erreichen können – 4 Schritte

Gemeint ist nicht die Hauptstadt Frankreichs, sondern die Klimaziele, die dort 2015 verbindlich unter praktisch allen Nationen der Erde vereinbart wurden. Die vier Schritte sind:

  • Energiesuffizienz verbessern, den Energiekonsum also einschränken und reduzieren
  • Strom zu 100% aus erneuerbaren Quellen produzieren
  • Elektrifizierung aller Sektoren (Wärme, Mobilität, etc.)
  • Power-to-X, zum Beispiel Wasserstoff

Regensburg: da geht noch was…

Laut Prof. Sterner ist Regensburg in einigen Bereichen schon recht gut unterwegs, aber in manchen anderen Sektoren geht noch eine Menge. Zum Beispiel sind die Belange des Denkmalschutzes noch nicht wirklich sinnvoll eingeordnet, etwa wenn es um die Dächer in der Altstadt geht, und um deren Einsatz als Photovoltaik-Flächen.

BERR: Bürgerenergie ganz konkret

Joachim Scherrer durfte im Rahmen der Info-Veranstaltung die BERR vorstellen, und erzählte im Schnelldurchgang die Geschichte unserer Genossenschaft seit dem Start im Jahr 2012. Damals gab es 178 Gründungsmitglieder, die insgesamt 522 Anteile zeichneten. Nach einigen Stolpersteinen und mit viel Herzblut sind wir inzwischen allerdings 450 Mitglieder (Stand Juni 2024), die insgesamt 2.3 Millionen € Einlagen erbracht haben. Wir sprechen hier also über „echte“ Bürgerbeteiligung – die Genossenschaftsmitglieder sind Mit-Inhaber der Anlagen und nicht nur Darlehensgeber wie bei einigen anderen Modellen, die sich auch oft mit dem Attribut „Bürgerbeteiligung“ schmücken.

Joachim Scherrer stellte eine kleine Auswahl der aktuellen Projekte vor und konnte auch einige vielversprechende Anbahnungen in Aussicht stellen. Die Genossenschaft erlebt derzeit eine gute Akzeptanz, wir wachsen und werden bei vielen Projekten in Stadt und Land angefragt.

Wärmewende in Regensburg

Von einigen Vertretern / -innen der Stadt und der Energieagentur wurden noch sehr ambitionierte Entwicklungen und Projekte vorgestellt, von konkreten Vorhaben wie zum Beispiel in der Margaretenau bis hin zu einem „Digitalen Energiezwilling“. Dabei geht es um ein ausgefeiltes Planung-Instrumentarium, das allen Beteiligten sehr nützliche Perspektiven bei der Wärme- und Energieplanung liefert und damit auch die Handlungssicherheit deutlich erhöht.

Nachhaltigkeitsmeile zum Wochenende

Am Donaumarkt, hinter oder auch im Haus der Bayerischen Geschichte waren von Freitag bis Sonntag noch jede Menge Initiativen, Angebote, Workshops und Infostände geboten, garniert mit einem tollen Bühnenangebot und bio-regionaler Essens-Auswahl.

Die BERR war mit einem Stand vertreten, den Wolfgang List, eines unserer Mitglieder, dankenswerterweise organisiert und auch betreut hat. Auch einige Vertreter von Vorstand und Aufsichtsrat waren immer wieder am Stand und hatten viele interessierte Anfragen und Gespräche mit Besuchern/-innen.

Ein eye-catcher für die Gäste waren unsere Balkonkraftwerke, die sogar in Echtzeit den Strom ins Netz der Veranstaltung einspeisen konnten. 

Alles in allem für die BERR eine gute Woche und jede Menge Austausch mit interessierten Menschen, die sich sowohl die Balkon-PV-Anlagen als auch das Genossenschaftsmodell genau anschauen wollten.